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Angebote zur Unterstützung im Alltag - Einzelbetreuung nach §45a SGB XI

Erweiterung des Leistungsspektrums von PhysiotherapeutInnen
Wir haben am 19.5.2016 die Genehmigung der Bezirksregierung Düsseldorf erhalten, sogenannte "niederschwelligen Betreuungsleistungen / Alltagsbegleitung nach §45b SGB XI" anzubieten und durchzuführen*. Durch die Pflegegesetzreform von 2017 heisst unser Angebot nun "Unterstützung im Alltag - Einzelbetreuung nach §45a SGB XI". Was dies im Einzelnen beinhalten kann, erfahren Sie hier. Physiotherapeuten gelten nach dem Wohn- und Teilhabegesetz aus dem Jahr 2014 als Fachkräfte in der sozialen Betreuung. Hausbesuche gehören ja zum physiotherapeutischen Alltag. Alltagsbegleitung ist eine sehr sinnvolle (und abwechslungsreiche) Kompetenz-Erweiterung und Vergrösserung unseres Handlungsspektrums.
Neben den Pflegeleistungen sind diese Unterstützungsangebote ein wichtiger Baustein in der Versorgung von pflege- und hilfebedürftigen Menschen (die Alltagsbegleitung / Alltagsbetreuung dabei bitte nicht mit der "Gesetzlichen Betreuung" verwechseln). Was nützt das tägliche Waschen, die tägliche Medikamentengabe, wenn der Mensch den ganzen Tag allein in der Wohnung sitzt und zu vereinsamen droht, nicht allein spazieren, einkaufen, zur Bank oder zum Arzt gehen mag, weil er / sie Angst vor Bettel-Bedrängungen von marodierenden Fremden aus Südosteuropa hat? Vertrauensvolle Bezugspersonen sind wichtig. Alltagsbegleitung schafft Sicherheit und entlastet Angehörige.

Ansparung des monatlichen Budgets

Viele Patienten / Versicherte wissen leider gar nicht, dass sie solche Leistungen in Anspruch nehmen können, weil die Pflege oft im Vordergrund steht und sie sich bereits daran gewöhnt haben, viel Zeit allein zu verbringen. Nach der Novellierung des Pflegestärkungsgesetzes im Jahr 2015 stehen jedoch jedem Pflegedürftigen mit einem Pflegegrad (1-5) die Betreuungsleistungen" automatisch zu. Die Pflegekassen stellen generell ein Budget von monatlich €125.- ab Pflegegrad 1 zur Verfügung. Wichtig zu wissen ist, dass das Budget nicht verfällt, sondern, dass man es anspart. Was heisst das? Ein Beispiel: wenn Sie von Januar bis Juni keine Leistungen in Anspruch genommen haben, verfällt Ihr Guthaben nicht, sondern wird Ihrem (virtuellen) Betreuungskonto gutgeschrieben. Ab Juli hätten sie dann 6x€125.- gleich €750.- für die nicht genutzten Monate plus die €125.- für den Monat Juli zur Verfügung. Nicht verbrauchtes Budget kann man bis zum 30.6. des Folgejahres "mitnehmen", dann erst verfällt es. Eine Auszahlung an den Versicherten ist jedoch nicht möglich. Diese Leistungen können bei Inanspruchnahme nur abgerufen werden.

Umwandlung / Umwidmung von Pflegesachleistungen in Betreuungsleistungen sind möglich
Eine andere, leicht übersehene Regelung beinhaltet, dass maximal bis zu 40% von Pflegesachleistungen in Betreuungsleistungen umgewandelt werden können. Ein Beispiel: Patientin Frau Maria Socorro hat Pflegegrad 3. Ihr stehen deshalb €1.298.- monatlich an Budget für Pflegesachleistungen zur Verfügung. Diese betragen jedoch nur €450.- monatlich. Das restliche Budget bleibt ungenutzt und verfällt am Ende jedes Monats. Durch eine sogenannte Umwidmung der Pflegesachleistungen können maximal €519.- von den €1.298.- in die Betreuungsleistungen umgewandelt werden. Ihr stünden dann €125.- plus die €519.- monatlich zur Verfügung. Bei einem Stundensatz von €25,00.- wären das 20 Stunden pro Monat an Alltagsbegleitung mehr! Dass hiesse viel mehr Aktivitäten wären möglich und bedeutete auch viel mehr Lebensqualität. Der Antrag hierfür lautet: "Antrag auf Umwidmung von Pflegeleistungen". Nutzen Sie als Versicherter diese Leistungen, die Ihnen per Gesetz zugesichert wurden! Die umgewidmeten Leistungen können leider nicht angespart werden und verfallen - genauso wie nicht in Anspruch genommene Pflegesachleistungen - am jeweiligen Monatsende.

Alltagsbegleitung / Alltagsbegleiter ist kein eigenständiger Beruf
Anbieter in der Alltagsbegleitung müssen über eine entsprechende Genehmigung der Stadtverwaltung Düsseldorf verfügen. Alltagsbegleitung kann im Prinzip jedermann / jedefrau machen (ist kein eigenständiger Beruf), der sich zumindest Grundkenntnisse (Basisqualifikation 40 Stunden) hierzu aneignet durch Schulungen von entsprechenden Anbietern z.B. Diakonie, Caritas oder AWO. Welche Unterlagen für eine solche Genehmigung notwendig sind, erfahren Sie bei der nun zuständigen kommunalen Verwaltung. Der Höchstsatz pro Stunde ist auf €25,00.- festgelegt (inklusive dem jeweiligen Hausbesuch und Fahrtkosten). Bei diesem Satz ergeben sich also 5 Stunden pro Monat für Alltagsbegleitung.

PSG II und PSG III - viele Änderungen 
Durch das Inkrafttreten der Pflegestärkungsgesetze Stufe 2 und 3 (PSG II und III) sind viele Veränderungen auch für die Alltagsbegleitung eingetreten. So können nicht genutzte Leistungen aus den Jahren 2015 und 2016 noch bis zum 31.12.2018 in Anspruch genommen werden. Falls Pflegesachleistungen (bis zu 40%) in Betreuungsleistungen umgewandelt wurden, so kann der Versicherte nun entscheiden, aus welchem Topf er die Leistungen beziehen möchte, d.h. aus den mtl. 125.- und den Rest aus dem 40%-Topf oder nur aus dem 40%-Topf (in diesem Fall würde der Versicherte die 125.- mtl. ansparen). Auch hat jeder Versicherte nun einen gesetzlich gesicherten Anspruch auf Pflegeberatung.

*Wir weisen daraufhin, dass dieses Angebot unabhängig von unseren physiotherapeutischen Leistungen ist und keine Leistungen aus der Grundpflege beinhaltet.

Links:

Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter - NRW
Wohn- und Teilhabegesetz - NRW
Bezirksregierung Düsseldorf - Angebote zur Unterstützung im Alltag
Was Sie über „Angebote zur Unterstützung im Alltag“ wissen sollten

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